Baum des Jahres 2019 – Die Flatter-Ulme

Zum Ende eines jeden Jahres kürt das Kuratorium Baum des Jahres eine Baumart, auf die der öffentliche Fokus im nächsten Jahr besonders gelenkt werden soll.

Für das Jahr 2019 wurde die Flatter-Ulme ausgewählt. Eine Baumart, die durch den Verlust ihres natürlichen Lebensraums bedroht ist.

In Deutschland sind insgesamt drei einheimische Ulmen-Arten anzutreffen: Die Feld-, die Berg- und die Flatter-Ulme. Der Name Flatter-Ulme ist auf die büscheligen Blüten und späteren runden Früchte zurückzuführen, die an langen Stielen im Wind flattern.
Charakteristisch für alle drei Arten sind die – mehr oder weniger stark ausgeprägten – asymmetrischen Blättern. Ein kleines Detail, das diese Gattung besonders macht, und ein leicht zu merkendes Bestimmungsmerkmal.

Ulmen werden im Brauchtum übernatürliche Eigenschaften zugesprochen. In ihrer Nähe würden sich Feen und Naturgeister aufhalten. In Norddeutschland waren sie die Wächter des Bauernhofs und stellten ein Tor zur übernatürlichen Welt dar.
Auch als Baum der Gerechtigkeit, der Macht und des Todes sind Ulmen bekannt. In Frankreich sind sie bis heute auf Friedhöfen zu finden. In England werden aus ihrem Holz traditionell Särge hergestellt.

Ulmen sind in den letzten Jahrzehnten immer seltener geworden, da viele Exemplare einem pilzlichen Erreger, dem sogenannten Ulmensterben, zum Opfer gefallen sind.

Die Flatter-Ulme ist davon zwar deutlich weniger betroffen als die beiden anderen Arten, trotzdem ist sie auf den Roten Listen einzelner Bundesländer zu finden. Sie ist eine Charakterart der Hartholz-Auwälder, vergesellschaftet mit Stiel-Eichen, Eschen, Berg-Ahorn und der Feld-Ulme. Ihr natürlicher Lebensraum wurde durch Entwässerung und Begradigung von Flüssen weitestgehend zerstört.

An diese nassen Standorte ist die Flatter-Ulme perfekt angepasst. Sie bildet ein für mitteleuropäische Bäume einzigartiges Merkmal aus: Brettwurzeln. Diese stabilisieren den Baum auf den nassen, wenig tief durchwurzelbaren Böden und ermöglichen bis zu 100 Tage auf überfluteten Flächen, trotz Sauerstoffmangel, zu überleben.
Im Zuge der Revitalisierung der Flussauen gewinnen Flatter-Ulmen zurzeit wieder eine größere Bedeutung. Bei Hochwasser sind diese überfluteten Bereiche in der Lage große Mengen an Wasser zurückzuhalten und die Fließgeschwindigkeiten zu reduzieren. Zudem bieten sie vielen seltenen Tier- und Pflanzenarten einen Lebensraum.

Flatter-Ulme auf einem natürlichen Waldstandort. Die arttypischen Brettwurzeln zeigen eine beginnende Fäule.

Gepflanzte Exemplare sind auch im urbanen Umfeld zu finden. Flatter-Ulmen sind sehr anpassungsfähig und kommen auch mit trockenen Standorten erstaunlich gut klar. Experten sehen in ihr eine Stadtbaumart, die im Zuge des Klimawandels an Bedeutung gewinnen kann. Im Freistand werden es imposante Erscheinungen, die bis zu 40 m hoch werden und bis zu 250 Jahre alt werden können.

Flatter-Ulme, www.baum-des-jahres.de
Foto: A. Roloff

Ein Projekt, das auch der Flatter-Ulme wieder einen Lebensraum bieten soll, ist die Renaturierung der Unteren Havel durch den NABU. Es handelt sich dabei um Europas größte Flussrenaturierung. Weitere Informationen zum Projekt finden Sie hier.

Unterstützen können Sie es ganz einfach mit der Aktion „Alte Handys für die Havel“. Alte Handys, Tablets und Smartphones werden gesammelt und recycelt. 1,60 € pro Handy gehen direkt an die Renaturierung der Unteren Havel. An über 400 Sammelstationen in Deutschland oder auch per Post können Sie Ihr altes Handy kostenfrei abgeben. Weitere Informationen dazu finden Sie hier.

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